1. EUROPÄISCHER REGIO - KULTURPREIS FÜR CHRISTLICHE KUNST

Preisverleihung an Hortense von Gelmini am 30. Juni 2007
im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses Freiburg

 

LAUDATIO

Bernhard Müller
Verleger und Publizist

 

Als mich vor knapp 20 Jahren eine Leserin des PUR -Magazins anrief, um mir in überschwänglichen Worten das Werk von Hortense von Gelmini ans Herz zu legen und mich bat zu der Künstlerin nach Kirchzarten zu fahren, um die Geschichten aller Geschichten schreiben zu können, war ich offen gestanden, skeptisch. So viele, mutmaßte ich, drücken sich künstlerisch aus und Leute aus adligem Stand haben darüber hinaus womöglich Beziehungen und den wirtschaftlichen Spielraum, um ihren Neigungen intensiver nachzugehen. Irgendwie dachte ich an Karl Valentin, der behauptete: "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen". Und so meinte ich, es sei schon alles geschrieben, gemalt, dirigiert und gestaltet vor Hortense von Gelmini, nur eben von ihr noch nicht.

Dennoch unternahm ich damals die Fahrt nach Kirchzarten. Und ich schrieb eine Titelgeschichte. Eine außergewöhnliche Titelgeschichte. Weil ich einer Künstlerin begegnete, die so anders war, als ich erwartet hatte. Ihr Werk ließ mich nicht mehr los. Nie zuvor war mir unter den Kunst -schaffenden jemand begegnet mit einer solch ungemeinen Vitalität und Begabung, verbunden mit philosophischen Klarheit und der unbestechlichen Fähigkeit, den Zeitgeist zu analysieren.

Hortense von Gelmini, von klein auf ein "Wunderkind", ist ein Genie, dass nie den Zugang zu Gott verloren hat und in ihr Schaffen den heiligen Geist einfließen lässt. Sie ist offen für das Transzendente, was ihre augenscheinlich umwerfende Vielbegabung weit über das Handwerklich-Perfekte hinaus führt. Die Zeit erlaubt es mir hier nicht den unvorstellbaren Facetten-Reichtum ihres Schaffens im Einzelnen aufzuführen. Aber einige Stichworte will ich nennen: etwa die Philosophie (schon im Alter von 33 Jahren schrieb sie ihr bis heute bedeutungsvolles philosophisches Werk "Einblicke"), die Musik (sie war die erste Frau, die international bekannt als Gastdirigentin Symphonieorchester dirigierte), ihre theologischen Essays, ihre Lyrik und Aphorismen, ihre Malerei, ihre Computergrafiken, ihre Gestaltung von Kirchenräumen - all das gehört zum Besten, was auf diesen Gebieten in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurde.

Ihr Werk ist sinnstiftende Kunst für eine Gesellschaft, die scheinbar ihrer Bestimmung verlustig geworden ist, ihr Werk ebnet den Menschen Wege aus den Sackgassen. Dabei hat sich Hortense von Gelmini nie zur Schulmeisterin aufgespielt, aber sie schafft - oft unter großen persönlichen Opfern unverwechselbare und zeitlose Werke, an denen wir Maß nehmen können. Sie setzt das ewige Wort in Farben, Zeichen und Laute um. Hortense von Gelmini weiß um ihre Begabungen. Sie genügt sich aber nicht selbst und schmeichelt keinen fremden Ohren. Für sie ist ihr künstlerisches Wirken ein Dienst an der Wahrheit. Viele zeitgenössischen Künstler sind heute zwar in ihren Ausdrucksformen ehrlich, aber nicht wahrhaftig. Hortense von Gelminis Werk ist dagegen Ausdruck tiefster Wahrhaftigkeit und Dankbarkeit ihrem Schöpfer gegenüber, dem sie all ihr Können verdankt, und den sie in ihrer Kunst lobt, um ihm damit einen Teil der ihr geschenkten faszinierenden Universalität zurückzugeben.

Im Atelier der Preisträgerin liegt eine aufgeschlagene Heilige Schrift. Für sie eine unendliche Fundgrube der Inspiration. Gebet und Meditation gehören zu ihrem Tagesablauf. Daraus schafft sie Werke, die uns mit dem Glanz der Wahrheit bescheinen. Sie bringt weit mehr als nur Farbe und Klang in den Glauben und das Leben.

Die Stiftung "Libertas per Veritatem" (Freiheit durch Wahrheit) macht das Werk dieser großen Frau der Öffentlichkeit zugänglich. Erst vor wenigen Wochen erschien ein Buch, das neben der bewegenden Biographie beeindruckend aufzeigt, wie die Künstlerin auf geradezu prophetische Weise den Menschen unserer Tage einen Weg eröffnet, "Gott zu sehen und zu loben". Erzbischof Dr. Robert Zollitsch hat ein sehr anerkennendes Geleitwort geschrieben. Sie können das Buch draußen im Foyer erwerben.

Hortense von Gelminis künstlerisches Vermögen und ihre handwerkliche Umsetzungsbegabung, sind nicht hoch genug einzuschätzen. Dass Sie sich dabei nie in Selbstverliebtheit verlor und ihr Können nicht einem Zeitgeist dienstbar machte, der ihr zweifelsohne weit größeren weltlichen Ruhm und unvergleichlich höhere finanzielle Vergütungen eingebracht hätte, zeigt ihre innere Größe. Doch gerade ihr Mut und ihr Opfer ihre gewaltigen Begabungen in den Dienst der Wahrheit zu stellen, machen ihr Werk zeitlos, geschaffen für die Ewigkeit. Zu recht hat die Stiftung PRO EUROPA Hortense von Gelmini als erste Preisträgerin des Europäischen Regio - Kulturpreises für christliche Kunst ausgewählt.

 

Herzlichen Glückwunsch!

 

 

 

 

 

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