Werner Persys letzte Arbeiten für die St.-Aloysms-Kircne Religiöse Kunst als moderne Fortsetzung der Tradition. Von Hans Ludwig Schulte
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| In einem Trierer Atelier sind drei Bildtafeln
entstanden, die jetzt die Taufkapelle der St.-Aloysius-Kirche in
Berlin-Wed-ding schmücken. Sie variieren das Thema Wiedergeburt aus
Wasser und Feuer symbolhaft in den Farben und in einem figürlichen
Stil, der Einfachheit, Verzicht auf Detailreichtum und klare
Verständlichkeit mit der Betonung des inneren Geschehens, mit
Ausdrucksfülle, verbindet.
Werner Persy, der die Tafeln geschaffen und Anfang dieser Woche nach Berlin gebracht hat, rundet damit die Ausschmückung der Weddinger Kirche. Der erste Schritt dazu waren vor sechs Jahren drei große, zusammenhängende Tafelbilder an der Apsiswand hinter dem Altar, jedes drei Meter lang und 1,80 Meter hoch, in der Grundfarbe eines verhaltenen Rot und mit der thronenden Christusfigur als zentralem Motiv. Ein Andachtsbild, das wie die neuen Bilder für die Taufkapelle die Tradition in moderner Weise fortführt, ohne dabei mit seiner Aussage über die Köpfe der Gemeinde und ihrer Beter hinwegzuzielen. Werner Persy, nach dem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie seit 1952 in Trier, ist auf vielen Ausstellungen mit Bildern hervorgetreten, die menschlich- existensiellen Themen galten und innerhalb wie außerhalb des überlieferten biblischen Motivkreises zeitlosen Sinnfragen nachspürten. Sein Atelier in Trier- Fjuren ist voll von Arbeiten, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht letztes Jahr hat der Künstler einen zwanzigteiligen Zyklus „Menschen" beendet, der bei allen und auch sichtbar gemachten zeitlichen Verstrickungen auf die Erhellung von Grundsituationen zwischen Geburt und Tod aus ist. Trotz Ausflügen in die Landschaftsmalerei neu ist etwa eine Serie stiller schottischer Landschaften im Aquarell, trotz seiner sonstigen „öffentlichen" Arbeiten - Wandmalereien für das neue Polizeigebäude in Bernkastel- Kues oder für die Berufsschule Helenenberg 1985, ist das existentielle Thema Werner Persys Hauptthema geblieben. Mit großer Resonanz übrigens: der Aschaffenburger Pattloch- Verlag hat letztes Jahr die „Geschichte vom Wort Gottes" von Reinhold Bohlen herausgebracht, eine Einführung in die Heilige Schrift. Viele der Illustrationen des Buches sind Bilder von Werner Persy. Ein Werk über das „Hohe Lied" des Alten Testaments mit Persy- Illustrationen soll im kommenden März folgen.
Was Ausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen gewöhnlich nicht zeigen, vermittelt ein Atelierbesuch und das Gespräch mit dem Künstler über seine Arbeit. Wer hat schon gewußt, daß die Stolen, die Papst Johannes Paul II. bei seinem letzten Besuch in Holland trug, von Werner Persy entworfen worden sind? Die Holländer hatten darauf bestanden, erzählt der Künstler, daß der Papst bei seinem Besuch besondere, in Holland gefertigte Stolen tragen sollte, nicht seine eigenen. Der Papst sagte zu, und das renommierte Atelier Stadelmaier in Nijmegen griff auf Persys Entwürfe zurück. Dem Papst gefielen die Stolen so gut, daß er sie mit nach Rom nahm. |
Im selben Atelier sind auch die Wandbehänge gewebt worden, die der Trierer Künstler 1985 für eine Kirche in Meschede/Westfalen und für die Sacred Heart Cathedral in Fairbanks/Alaska gestaltet hat. „Meine Glückwünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern", schrieb Pfarrer D. Fitz-Patrick nach Nijmegen, „für die wundervolle Arbeit. Ich weiß, daß sie viele Menschen dazu bewegen wird, tiefere Einsicht in das Mitleid zu erhalten, zu dem uns ,Our Lord' ermutigt..." In den vergangenen acht Jahren hat Werner Persy vor allem im Münchner Raum Kirchen ausgestattet vom Kreuzweg bis zur großen Wandmalerei. Ein Beispiel sind seine Arbeiten in der Kirche St. Albertus Magnus in Ottobrunn, die sich in einen alt- und neutestamentlichen Teil gliedern. Persys Entwurf einer „biblia pauperum" (Armenbibel) für die Kapelle hatte nach vergleichenden, auch über Entwürfe anderer Künstler informierenden Dia-Abenden die einhellige Zustimmung des Auswahlgremiums der Gemeinde gefunden. Malerei in Kirchenräumen ist noch immer ein besonders schwieriges Kapitel der religiösen Kunst, obwohl die Zeit der leeren Wände und der Beton-und-Glas-Nüchternheit vorbei zu sein scheint. Die Basis an stiller, vorgegebener Übereinkunft zwischen Künstler und Gemeinde bleibt schmal und durchlöchert, und im Zweifel schätzt so mancher Künstler, in den zeitgenössischen Stilfundus greifend, mehr das Eigenwillige als das Verbindliche, bevorzugt die solitäre als die solidarische Lösung. Aber das Moderne muß nicht unverständlich und das Verständliche nicht unmodern sein, zumal hier, wo gemeinsame Glaubensinhalte doch ein Verständigungsfundament liefern bzw. liefern sollten. Werner Persy gehört zu jenen Unbeirrten, die nicht vom Bruch, sondern vom Zusammenhang mit der Kirchenkunsttradition ausgehen und sie in moderner Form lebendig erhalten wollen.
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| (Artikel aus dem Trierischer
Volgsfreund Nr. 7)
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