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Leuchtende Farben - schlichte Formen Weddinger St.-Aloysius-Gemeinde erhielt neues
Altarbild
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Es gab eine
Zeit in der Kirche, da warfen Fanatiker alles aus den Gotteshäusern
hinaus, was schön und kostbar, eben Kunst war, weil sie die
merkwürdige These vertraten, das alles sei nur Menschenwerk, es habe
als verbotenes Götzenbild zu gelten, das vom ersten Gebot untersagt
werde, und zudem stellten Bildwerke Göttliches doch nur menschlich und
somit falsch und irreführend dar. Es waren die sogenannten
Bilderstürmer, deren Kampf seinen Höhepunkt im achten und neunten
Jahrhundert hatte.
Mancher beklagt etwas Ähnliches auch in manchen modernen Kirchen; sie seien zu kahl und nüchtern, heißt es etwa, und nicht selten wird argumentiert, dem Menschen würden für seine persönliche Frömmigkeit zu wenige Bilder und Anschauungshilfen angeboten. Ist diese Kritik berechtigt? Es kommt wohl immer auch darauf an, wie sich eine Gemeinde, ein Kirchenvorstand und ein Pfarrgemeinderat und nicht zuletzt der Seelsorger zu dieser Frage stellen, wenn sie sich für ihr eigenes Gotteshaus einmal ergibt. Seit einigen Wochen gibt es in unserer Stadt ein Beispiel dafür, wie für ein seit zwanzig Jahren bereits vorgegebenes Gotteshaus das Problem eines Altarbildes gelöst werden kann das bisher fehlte. Es sollte, darin waren sich die Betroffenen einig, ein erkennbar religiöses Bild sein, was den Maler praktisch zur Gegenständlichkeit zwang. Es sollte ein Bild für die Menschen sein, die in diese ihre Pfarrkirche kommen, um Gottesdienst zu feiern, aber auch, um privat still zu beten. Es sollte schließlich ein Bild sein, das nicht irgendeiner Zeitströmung oder -mode huldigt, sondern das gewissermaßen zeitlos heute ebenso gelten kann wie für die Gläubigen morgen. Alle diese Überlegungen mochten den Künstler vor nicht geringe Probleme stellen. Wer ist er, und wie hat er seine Aufgabe gelöst?
Wer heute die Kirche betritt, wird sofort gefangengenommen von einer Bildleiste, die sich in drei zusammenhängenden Tafelbildern die Apsiswand entlangzieht. Jede der drei Tafeln hat eine Länge von drei und eine Höhe von 1,8 Meter. Persy hat als Grundfarbe ein sattes, kräftiges und doch nicht schreiendes Rot gewählt, das leuchtet, ohne doch weh zu tun. Unbestreitbarer Mittelpunkt ist die zentrale Tafel, einen thronenden Christus darstellend, der das „Reis aus der Wurzel Davids" ist. Auch König David, der Dichter vieler Psalmen, erscheint im Bild, zweimal sogar, rechts als der politische Führer seines Volkes, links jedoch vor der Bundeslade tanzend in gottesdienstlicher Funktion. Christus thront — und hier greift der Maler die gute, alte Tradition der „maiestas" früher Bilder wieder auf — in einer goldenen Zone ähnlich der italienischen Mandorla, und er ist so der, zu dem hin alles andere strebt. |
Die rechte Tafel ist mitten aus dem Wedding genommen, die Müllerstraße könnte es sein, im Hintergrund deutlich der Ostberliner Fernsehturm erkennbar, und die Straße ist bevölkert von Menschen, wie sie eben hier zu Hause sind, wie sie leben und arbeiten, die Jungen und Alten, die Mütter mit ihren Kindern, der Krüppel und der Einsame im Abseits. Sie alle wandern zum Herrn, freudig manche, andere zögernd vielleicht, aber eben doch mitziehend, es ist eine schöne Bewegung in diesem Bild, die zwangsläufig hinführt zum Herrn, zu Christus. Aber nicht nur er als die Mitte seiner Kirche sollte hier dargestellt werden, auch nicht nur die Menschen, die hier in diesem Gotteshaus zusammenkommen und sich wiederfinden sollten, auch der heilige Schutzpatron sollte mit im Bild erscheinen.
Jedenfalls ist es ihm in, wie mir scheint, meisterlicher Weise gelungen, dieses Klischee gänzlich zu vermeiden. Da findet sich zwar, in kleinerer Gestalt, der junge Edelmann zu Pferde, da sind auch die Krone und der Totenschädel, aber der Schwerpunkt dieser dritten Bildtafel ist ganz ohne Zweifel die Bildmitte, den jungen Heiligen vor dem Hintergrund der römischen Peterskuppel zeigend, wie er einen Pestkranken pflegt und behutsam in seine Arme schließt. In dieser Geste liegt soviel an Caritas und Hingabe; ohne daß es auch nur einen Anflug von Sentimentalität oder gar Kitsch trüge. So ist denn eine durchaus glückliche Komposition gelungen: Die Menschen, die gemeinsam mit ihrem Patron unterwegs sind zu Christus, ihrem Herrn, dem Herrn und Mittelpunkt der ganzen Kirche. Der Künstler hat dies alles in einfachen, kräftigen Strichen gemalt^ überzeugend und ohne falsches Pathos, das ist nicht akademisch oder stilisierend, eine Gestalt ist eine Gestalt, konkret und leibhaftig, und ebenso ist ein Ding ein Ding, als solches erkennbar und keiner weitschweifigen Deutung bedürftig. Werner Persy hat ein Andachtsbild im guten Sinn des Wortes geschaffen, eines, das zum Schauen einlädt und ganz sicher, das haben auch ursprüngliche Kritiker spontan zugestanden, zum Beten anregt. Es ist ein frommes Bild ohne falsche Untertöne, es wird vielleicht keine Schlagzeilen unter den Machern des modernen Kunstbetriebes auslösen, aber es wird, das darf man wohl sagen und wünschen, über den Tag hinaus bleiben. Der Gemeinde ist zu gratulieren, und einen Besuch zur eigenen Betrachtung kann man nur empfehlen. Ks.
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| Die Gestaltung der St.-Aloysius-Taufkapelle |
(Artikel aus dem Petrusblatt Katholische Kirchenzeitung Bistum Berlin Nr.50 Jahrg. 32) |